Felix Mendelssohn Bartholdy zurück in Düsseldorf – Zur Wiedererrichtung des Mendelssohn-Denkmals 2012 in Düsseldorf

Denkmal Felix Mendelssohn-Bartholdys, 2012, Bronze-Abguss nach dem Original von 1901, Düsseldorf, Hofgarten, Nähe Opernhaus

Denkmal Felix Mendelssohn-Bartholdys, 2012, Bronze-Abguss nach dem Original von 1901, Düsseldorf, Hofgarten, Nähe Opernhaus

177 Jahre nach seinem Wirken von 1833 bis 1835 als Musikdirektor in Düsseldorf und 76 Jahre nach der schändlichen Entfernung des alten Mendelssohn-Denkmals 1936 durch die Nazis kehrte am 27. September 2012 ein Standbild Felix Mendelssohn Bartholdys nach Düsseldorf, die Stadt seiner ersten beruflichen Anstellung, zurück.

Als Mendelssohn sein enormes musikalisches Können beim Niederrheinischen Musikfest 1833 darbot, gewann er die Herzen der Düsseldorfer – Robert Schumann schilderte 1835 ähnliche Sympathiebekundungen der Leipziger beim ersten öffentlichen Auftritt von „Herrn Felix“ als Gewandhauskapellmeister. Nachdem Mendelssohn die Musikinstitute Düsseldorfs zu einer nie gekannten Blüte gebracht hatte und obwohl er bereits zu Lebzeiten ein berühmter und weltweit geschätzter Musiker geworden war, geriet er nach seinem Tod durch antisemitische Bestrebungen wie vielerorts auch in Düsseldorf immer mehr in Vergessenheit.

1936 mündeten die Anfeindungen darin, dass die Nazis das überlebensgroße Mendelssohn-Denkmal am Stadttheater in Düsseldorf abmontierten und 1941 als „Metallspende des deutschen Volkes“ einschmolzen, um Kriegsmunition daraus herzustellen. Das Denkmal war von dem Bildhauer Clemens Buscher (1855-1916) geschaffen worden, der als Professor an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule lehrte.

Während man die benachbarte Figur Immermanns am Stadttheater zwar auch abmontierte, weil er als „Verwaister“ nicht mehr so recht ins Bild passte, stellte man sie jedoch 1940 im Hofgarten, am späteren Schauspielhaus, wieder auf, wo sie noch heute steht.

Mit dem Schriftsteller und Theatermann Karl Immermann (1796-1840) war Mendelssohn bereits vor seiner Düsseldorfer Zeit befreundet gewesen; er hatte ihn 1831 sogar als Librettisten für eine geplante Vertonung von Shakespeares „Sturm“ gewinnen können (zur Verwirklichung kam es dann nicht). Immermann berief den jungen Freund dann als Intendanten für musikalische Aufführungen an sein neues Stadttheater. In Mendelssohns Düsseldorfer Jahren arbeiteten die beiden Künstler dann eng zusammen.

Schon bald entwickelten sich aber zwischen Immermann und Mendelssohn auch Differenzen, die zuletzt in Mendelssohns Aufkündigung seiner Mitarbeit endeten. Dies zog schließlich den Bruch der Freundschaft nach sich.

1896 ging es zunächst um eine Ehrung Immermanns aus Anlass seines 100. Geburtstages, weswegen seine Figur am Stadttheater, seinem Wirkungsort, angebracht werden sollte. Aus Gründen der ästhetischen Symmetrie sollte auch in einer zweiten Nische links neben dem Eingang des Stadttheaters ein Standbild erscheinen. Lange wurde diskutiert, wer dort – in einem Zusammenhang mit Immermann – verewigt werden sollte. Nachdem dafür zunächst der Düsseldorfer Maler und Professor der Kunstakademie Wilhelm Camphausen (1818-1885) vorgeschlagen worden war, da er Bühnenzeichnungen zu Immermanns Inszenierung von „Tristan und Isolde“ gemacht hatte, geriet schließlich Mendelssohn als mehrjähriger und erfolgreicher musikalischer Mitstreiter Immermanns ins Blickfeld. Finanziert wurde die Schaffung des Denkmals durch Spenden von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Düsseldorf.

Seit 2009, dem 200. Geburtsjahr Mendelssohns, kam es nach einer ersten Anregung durch Bernd Kortländer, tätig am Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf, bei zahlreichen Bürgern der Stadt zu wachsendem Engagement für eine Wiedererrichtung des Mendelssohn-Denkmals. Unterschriften und Spenden wurden gesammelt und ein „Förderverein zur Wiederaufstellung des Mendelssohn-Denkmals“ gegründet.

Die beteiligten Initiatoren wurden sich schnell einig, dass nur eine lebensnahe, dem originalen Düsseldorfer Standbild nachgebildete Figur mit entsprechenden Informationen zum Schicksal des Denkmals während des Nationalsozialismus dem Anspruch eines würdigen Denkmals gerecht werden könne. Ein Gipsmodell des Standbilds von Buscher war glücklicherweise im Stadtmuseum Düsseldorf erhalten geblieben.

Das Engagement der Düsseldorfer Bürger und Mendelssohn-Liebhaber war so nachhaltig, dass bereits drei Jahre später, 2012, eine gelungene Replik des Buscher-Denkmals wieder aufgestellt werden konnte, und zwar am gleichen Platz, wo früher das Stadttheater stand und wo sich heute das Opernhaus befindet, also in nächster Nähe zu Mendelssohns früherem Wirkungsort, mit Blick auf die Altstadt, wo er als Musikdirektor so viele Aufführungen gestaltet und geleitet hatte.

Die Kosten des Monuments von 150.000 Euro waren ausschließlich durch Spenden von Bürgerinnen und Bürger aufgebracht worden.

Am 27. September 2012 wurde die 2,60 m hohe und eine Tonne schwere Kupfer-Replik der Kunstgießerei Rolf Kayser auf einem Sockel aus hellem Naturstein aufgestellt und unter großer und begeisterter Beteiligung vieler Düsseldorfer Bürger eingeweiht. Dazu erklang eine Bearbeitung des Chores „Wer bis an das Ende beharrt“ aus Mendelssohns Oratorium „Elias“. Am Abend des gleichen Tages fand ein Konzert mit Mendelssohns Werken in der Düsseldorfer Tonhalle statt, deren Saal nun den Namen „Mendelssohn-Saal“ erhielt.

Heute blickt „Herr Felix“ wieder selbstbewusst und freundlich auf die Düsseldorfer herab und wird gern am Rande des Hofgartens besucht.

Düsseldorf, 23. Mai 2015, Veronika van Tetterode