Fanny und Felix Mendelssohn-Museum
im Hamburger KomponistenQuartier

 

Die Fassade des zukünftigen Museums. © Christina Czybik

Die Geschwister Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy wurden beide in Hamburg geboren. Fanny kam am 14. November 1805 ganz in der Nähe der Hauptkirche St. Michalis zur Welt. Ihr Bruder Felix wurde dreieinhalb Jahre später, am 3. Februar 1809, ebenfalls in der Großen Michaelisstraße geboren. Sie waren die beiden ersten Kinder von Lea Salomon und Abraham Mendelssohn, damit Enkelin und Enkel der aus Hamburg stammenden und hier auch auf dem jüdischen Friedhof in Altona begrabenen Kaufmannstochter Fromet Gugenheim und des berühmten Philosophen Moses Mendelssohn.

An der Elbe verbrachten die beiden Geschwister, zu denen sich am 11. April 1811 noch die Schwester Rebecka, später verheiratete Dirichlet, gesellte, ihre ersten Lebensjahre. 1811 flohen die Mendelssohns aus dem von napoleonischen Truppen besetzten Hamburg nach Berlin. Dort ließ sich die Familie dauerhaft nieder. Im folgenden Jahr, am 30. Oktober 1812, wurde der Bruder Paul geboren. Die Familie ließ sich protestantisch taufen, erst die Kinder, dann die Eltern. Hamburg blieb für Felix Mendelssohn Bartholdy immer eine wichtige Station, vor allem auf dem Weg zu seinen zahlreichen Konzertreisen nach England. Während seiner Aufenthalte in der Stadt wohnte er in der Regel im Haus Salomon Heines, des Onkels von Heinrich Heine, in Ottensen.

In Berlin wurden Fanny und Felix von Carl Friedrich Zelter in Komposition ausgebildet, Fanny allerdings nicht so umfassend wie der Bruder. Beide waren Mitglieder der Berliner Singakademie. Auf väterlichen Wunsch blieb Fanny Hensels musikalischer Wirkungskreis auf das häusliche Umfeld beschränkt. Nachdem Felix das Elternhaus verlassen hatte und sie den preußischen Hofmaler Wilhelm Hensel geheiratet hatte, übernahm sie die Gestaltung und Leitung der sogenannten „Sonntagsmusiken“, Konzertveranstaltungen vor geladenen Gästen. Ihre umfangreiche kompositorische Arbeit blieb auf diesen Rahmen und auf den musikalischen Dialog mit ihrem Bruder bezogen. Felix Mendelssohn Bartholdy konnte seine Begabungen als Pianist, Organist, Dirigent und Komponist zum Beruf machen und wurde zu einem der führenden Musiker seiner Zeit. Werke wie die Oratorien Paulus und Elias gehören heute zum Kernrepertoire von Konzert- und Kirchenchören. Sein Violinkonzert, die „Schottische“ und „Italienische“ Symphonie zählen ebenso wie die Ouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum und seine Kammermusik zu den Höhepunkten deutscher Instrumentalmusik. Fanny Hensels Werke hingegen wurden bis auf wenige Ausnahmen zu ihren Lebzeiten nicht veröffentlicht oder öffentlich aufgeführt. Erst im Zuge der musikwissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung, die in den 1980er Jahren einsetzte, wurden ihre Kompositionen – Lieder, Klavier- und Kammermusik, Chor- und Orchesterwerke – wiederentdeckt, aufgeführt und publiziert. Beide Geschwister verstarben früh, Fanny Hensel im Alter von 41 Jahren im Mai 1847, der 38-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy, den das Ableben seiner Schwester zutiefst erschüttert hatte, nur wenige Monate später im November 1847.

Leben und Wirken von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy, aber auch das Leben ihrer Geschwister, die keine professionellen Musiker wurden, sind nicht zu trennen von der besonderen Bedeutung jüdischer Familien für das deutsche Kulturleben. Besonders bedeutsam war in diesem Kontext die Rolle der Musik für den Weg, den diese Familien gingen, um sich in die christliche Mehrheitsgesellschaft einzuschreiben.

 

komponistenquartier

Die Häuser des KomponistenQuartiers in der Peterstraße, © Carl-Toepfer-Stiftung

Das Fanny und Felix Mendelssohn-Museum im KomponistenQuartier in der Hamburger Petersstraße soll deswegen ein Erinnerungsort für die ganze Familie Mendelssohn werden. Ein besonderer Schwerpunkt der Präsentation liegt auf der Rolle der kulturellen Bildung und besonders der Musik für jüdische Familien. Träger ist die 2013 neugegründete Fanny und Felix Mendelssohn-Gesellschaft Hamburg e.V. Angesprochen werden sollen vor allem Kinder und Jugendliche.

Hier geht es zum KomponistenQuartier.