In lockerer Folge werden hier unter der Rubrik “Wissenschaftliches rund um die Mendelssohn” Materialien, Aufsätze oder Vorträge zur Verfügung gestellt.

Foto: Beatrix Borchard

Filmportrait über Fanny Hensel online

Dieses erste Video-Portrait der Reihe “KOMPONISTINNEN für ALLE” (tvbmedia productions) steht kostenfrei im Internet zur Verfügung. Der Film dauert 26 Minuten und beschäftigt sich mit der deutschen Komponistin Fanny Hensel (geb. Mendelssohn-Bartholdy). Die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh und der Berliner Journalist und Filmemacher Tim van Beveren wollen damit auch ihren Beitrag gegen “Langweile in der Quarantäne”, der verordneten “Distanzierung” und dem Ausfall von Musik-, Theater- und Filmveranstaltungen, leisten. So wie schon der mehrfach preisgekrönte 95minütige Dokumentarfilm “Komponistinnen” der beiden Autoren, ist diese Arbeit ohne jegliche öffentlichen Förderungen oder Unterstützungen, bzw. Kooperationen mit Fernsehsendern entstanden.

Zum Film: Fanny Hensel (1805-1847) entstammte der berühmten jüdischen Familie der Mendelssohns. Sie erhielt eine ähnlich umfassende musikalische Ausbildung wie ihr jüngerer Bruder Felix, doch blieben ihr öffentliche Auftritte als Pianistin und Komponistin untersagt. Ihre Heirat mit dem Maler Wilhelm Hensel war ein Glücksfall für sie: er ermutigte sie zum Komponieren und unterstützte ihr künstlerisches Schaffen. In ihrem Berliner Wohnhaus veranstaltete sie regelmäßig Konzerte für geladene Gäste, die sogenannten „Sonntagsmusiken“. In diesem Rahmen führte sie auch eigene Kompositionen auf. Erst ein Jahr vor ihrem Tod entschloss sich Fanny Hensel, einige ihrer Werke herauszugeben. Unter ihren ca. 500 Kompositionen finden sich zahlreiche Lieder, Klavierwerke, Chorwerke, Kantaten, Kammermusik, Orgelwerke und eine Ouvertüre.

Martina Bick: Musikerinnen in der Familie Mendelssohn

Dass Fanny Hensel mehr war als die „begabte Schwester“ Felix Mendelssohn Bartholdys, ist heute weiten Kreisen bekannt. Sie war eine hervorragende Musikerin, deren Kompositionen es immer noch zu entdecken gilt.

Dass das musikalische Talent in dieser jüdischen Familie vornehmlich von Frauen weitergegeben wurde, ist noch nicht so im Bewusstsein. Martina Bick stellt die Musikerinnen in der Familie Mendelssohn in der Reihe „Jüdische Miniaturen“ vor.
Lea Mendelssohn hat als erste das Ausnahmetalent ihrer Kinder erkannt. Sie war eine sehr gute Pianistin und konnte sie selbst unterrichten, bis sie geeignete Lehrerinnen und Lehrer für sie fand. Auch ihre Mutter, Bella Salomon geb. Itzig, wie auch deren Schwestern, insbesondere Sara verh. Levy, waren gründlich musikalisch ausgebildet. Sara Levy stand als Cembalistin, Musikaliensammlerin, Musikförderin, Konzert- und Salonveranstalterin im Zentrum des Berliner Musiklebens und war damit ein wichtiges Vorbild für ihre Nichte Lea wie auch für deren Kinder Fanny, Felix, Rebecka und Paul Mendelssohn Bartholdy.

Jüdische Miniaturen, hrsg. von Hermann Simon, Bd. 202, Verlag Hentrich und Hentrich, Berlin 2017

Martina Bick, geboren 1956 in Bremen, schrieb zahlreiche Kriminalromane und Romane sowie Kurzgeschichten und Gedichte für Anthologien und den Rundfunk. Seit 1996 arbeitet sie in der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, zuerst für den hochschulübergreifenden Studiengang Musiktheater-Regie und ab 2001 als Referentin der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule. 2005 schloss sie ein Studium in den Fächern Historische Musikwissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Gender-Studies an der Universität Hamburg mit dem Magisterexamen ab. Seitdem ist sie zusätzlich für das Forschungsprojekt Musik und Gender im Internet (MUGI) als Autorin tätig sowie zuständig für die Erarbeitung der kommentierten Links. Sie ist Mitglied der Fanny und Felix Mendelssohn Gesellschaft Hamburg.

Aufsatz von Annegret Huber zu den Liedern ohne Worte der Mendelssohn-Geschwister

Der erste stammt von der Wiener Musikwissenschaftlerin und Musiktheoretikerin Annegret Huber. Sie hat über die Lieder ohne Worte der Mendelssohn-Geschwister promoviert und beteiligt sich auch an der inhaltlichen Gestaltung unseres Fanny und Felix Mendelssohn Museums. In ihrem Aufsatz “Das Konzept der Montage als analytische Kategorie”, der für die Festschrift von Beatrix Borchard zum 65. Geburtstag digital erschienen ist http://mugi.hfmt-hamburg.de/Beatrix_Borchard/das-konzept-der-montage-als-analytische-kategorie/, setzt sie sich mit einem immer wieder gern zitierten Briefausschnitt Fanny Hensels auseinander. Annegret Huber gelingt es nachzuweisen, dass das angebliche Zitat auf einem Lesefehler beruht. 

Neue Perspektive auf Künstlerfreundschaft

Die lebenslange Freundschaft zwischen Mendelssohn und Klingemann ist durch eine umfangreiche Korrespondenz dokumentiert, die mehr als 300 Briefe umfasst. Darin geht es um familiäre Ereignisse und berufliche Entscheidungen, um musikalische Fragen sowie um zeitgenössische Literatur und europäische Politik. Die Auswertung der bislang unveröffentlichten Briefe Klingemanns und seines musikalischen Nachlasses hält nicht nur für die Mendelssohn-Forschung spannende Erkenntnisse bereit, sondern auch für Forschungen zur Briefkultur und zum Begriff der Freundschaft im 19. Jahrhundert.

Das Buch würdigt Klingemanns Schaffen als Liedkomponist und Musikpublizist, sein Engagement als Übersetzer und Lektor der Werke Mendelssohns sowie seine Tätigkeit als Agent Mendelssohns in London. Damit eröffnet sich auch auf das vielfältige künstlerische Zusammenwirken der beiden Freunde eine neue Perspektive.

Die Autorin Regina Back studierte Musikwissenschaft und Romanistik in Marburg und Paris. Sie war einige Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Briefausgabe an der Universität Leipzig und ist Mitherausgeberin des ersten Bandes von Mendelssohns Sämtlichen Briefen. Zudem legte sie diverse Urtext-Ausgaben von Werken Claude Debussys, Maurice Ravels und Alexander Glasunovs bei Bärenreiter vor. Seit 2008 ist die Redakteurin des Forschungsportals Musik und Gender im Internet an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Regina Back: „Freund meiner MusikSeele“. Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Klingemann im brieflichen Dialog, Bärenreiter, Kassel u.a., 2014, (642 Seiten mit 27 Abbildungen und Notenbeispielen, teilweise farbig; gebunden; BV 2299; € 89,-)

geschrieben von Beatrix Borchard

Neue Publikation von Beatrix Borchard über Pauline Viardot

Universelle Musikalität, unermüdliche Arbeitslust, Leichtigkeit, Witz und Humor kennzeichnen eine der einflussreichsten Musikerinnen des 19. Jahrhunderts. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910) war Sängerin, Gesangslehrerin, Komponistin, Arrangeurin, Pianistin, Organistin, Volksmusiksammlerin, Herausgeberin und Veranstalterin. Als eine wahrhaft europäische Erscheinung verknüpfte sie unterschiedliche Kulturen und musikalische Sprachen miteinander. Hineingeboren in die Familie des spanischen Tenors Manuel del Pópulo García führte sie deren musikalische Tradition weiter. Auf den großen Opernbühnen Europas – in Paris, London, Berlin oder Sankt Petersburg – feierte die Viardot triumphale Erfolge. Als Mitschaffende war sie nicht nur an zahlreichen Kompositionen von Zeitgenossen wie Gounod, Berlioz, Meyerbeer, Massenet, Fauré u.a. beteiligt, sondern auch an literarischen Werken. Mit dem russischen Schriftsteller Ivan Turgenev, der sein Leben und seine Arbeit untrennbar mit ihr verknüpfte, lebte sie eine Schaffensgemeinschaft, an der auch ihr Mann Louis Viardot beteiligt war.

Für dieses Buch sind eine Fülle bisher unbekannter Quellen aufgespürt und ausgewertet worden, vor allem Kompositionen, Bearbeitungen, Niederschriften, Skizzen und Briefe. Sie erlauben einen neuen Blick auf das Leben und die Arbeit von Pauline Viardot-Garcia.

Beatrix Borchard: Pauline Viardot-Garcia. Fülle des Lebens (europäische Komponistinnen, Bd. 9), Köln 2016. 439 S. 44 s/w-Abb. und Notenbeisp.  € 34,99, ISBN 978-3-412-50143-3.

Weitere Informationen unter www.boehlau-verlag.com.